Publikation Geschichte 60. Jahrestag der Vereinigung der Kreisverbände von SPD und KPD im Kreis Waren am 24. März 1946

Herausgegeben von Peter Hamann und Otto Görisch mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Vorwort von Helmut Holter.

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Mai 2006

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Herausgegeben von Peter Hamann und Otto Görisch mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Vorwort von Helmut Holter.

Vorwort

Der Traum von der Einheit der Linken stirbt nicht

Das Zusammengehen von KPD und SPD zur SED in einem Teil Deutschlands ist 60 Jahre her – fast ein Menschenleben also. Und es leben tatsächlich nur noch wenige Menschen, die bei dieser Vereinigung dabei waren. So ist allein schon das hier zusammengetragene Material – darunter die Erinnerungen der Zeitzeugen – ein sehr verdienstvoller Versuch, die dramatischen Ereignisse von 1946 dem Vergessen zu entreißen. Die Partei, deren Entstehen die vorliegende Arbeit dokumentiert, gibt es indes nicht mehr. Woher kommt also das Interesse an den Erfahrungen, die von der Schrift zeitgeschichtlich überliefert werden?

Zum einen ist das Interesse gewiss dem Umstand geschuldet, dass 2006 und 2007 eine Parteifusion ansteht – die Vereinigung der in Linkspartei umbenannten Partei des demokratischen Sozialismus (PDS) mit der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG). Und dies offenbar mit allen Wehen, die mit einer solchen Geburt verbunden sind. Zum anderen bin ich sicher, dass das Ende der SED nicht die Frage nach linken Alternativen und deren einmütiger Vertretung – womöglich sogar über Parteigrenzen hinweg – von der Tagesordnung verdrängt hat.

Im Gegenteil. Umso hinderlicher ist Zerstrittenheit, eine der größten Schwächen der Linken in Deutschland, in Europa und darüber hinaus. Es ist schon bemerkenswert, dass allein in der Bundesrepublik drei große Parteien das Prädikat „links“ für sich reklamieren: SPD, Grüne und Linkspartei. Und dass mehr geht als auf Bundesebene zu gehen scheint, beweist Mecklenburg-Vorpommern, wo seit 1998 SPD und PDS/Linkspartei gemeinsam regieren.

Den Autoren dieser Schrift ist deshalb nur zuzustimmen, wenn sie als eine Lehre aus dem Vereinigungsprozess von 1946 fordern zu akzeptieren, dass „niemand im Allgemeinbesitz der Wahrheit ist“ und deshalb um gemeinsame Auffassungen zu ringen ist – bei Einhaltung demokratischer Spielregeln. Vergangenheit lässt sich nach einem Wort Goethes nicht zurückrufen, „über die Zukunft sind wir eher Meister, wenn wir gut und klug sind“. Mit dem Ende der Einheitspartei ist der Traum von der Einheit der Linken nicht tot. Er stirbt nicht.

Helmut Holter, Minister für Arbeit, Bau und Landesentwicklung

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