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Dokumentation : Kreatives Prekariat im flexiblen Kapitalismus

Opfer, Komplizen oder Rebellen? Audiomitschnitt.

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort
Volksbühne, Grüner Salon
Rosa-Luxemburg-Platz
10178 Berlin
Datum
25.09.2014
Veranstalter
Michaela Klingberg,
Themenbereiche
Ungleichheit / Soziale Kämpfe, Kapitalismusanalyse, Arbeit / Gewerkschaften, Kunst / Performance

Details

Künstler galten lange als geniale Sonderlinge und als Außenseiter der Gesellschaft. Sie passten weder mental noch strukturell in die industriegesellschaftlich geordnete Arbeitsgesellschaft. Doch seit einigen Jahren wird ihnen eine Vorreiterfunktion in dreierlei Hinsicht zugeschrieben. Spätestens seit der Etablierung der Kultur- und Kreativwirtschaft als politisches Konzept werden Künstler und Kreative von (regierungs-)politischer Seite als wirtschaftlicher Stimulus und als Modernisierer kulturhistorischer Traditionen adressiert. Aus einer kritischen, (sozial)wissenschaftlichen Perspektive werden sie hingegen als kulturelles Leitformat für die allgemeine Deregulierung und Ent-Sicherung von Arbeits- und Sozialverhältnissen annonciert. Aus einem kapitalismuskritischen Blickwinkel wird zudem angenommen, dass Künstler und Kreative die prekäre Transformation der Arbeitsgesellschaft moralisch unterstützen und dem neuen Geist des Kapitalismus zum Durchbruch verholfen hätten. Und tatsächlich ist künstlerisch-kreative Arbeit zu einem anhaltend begehrenswerten Arbeits- und Lebensmodell geworden, obwohl eine prekäre Form der Freiberuflichkeit dominiert. Künstler und Kreative scheinen daher das perfekte Modell für den ‚flexiblen Menschen’ zu sein, der sich nicht nur mit prekären Arbeits- und Lebensbedingungen arrangiert, sondern sich dabei auch noch selbst zu verwirklichen scheint. 

In der Diskussion wurden soziale Fragen angesprochen, die sich aus der vermeintlichen oder tatsächlichen Vorreiterfunktion von Künstlern und Kreativen ergeben: Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem wirtschaftlichen Wachstum der Kultur- und Kreativwirtschaft und den prekären Arbeitsverhältnissen im künstlerisch-kreativen Bereich? Was macht künstlerisch-kreative Arbeit so attraktiv, was ist problematisch? Was ist der Unterschied zwischen Künstlern und Kreativen? Wie sollen sie sich heute selbst verstehen? Sind Künstler und Kreative ‚widerständige Subjekte’ oder entsprechen sie den (wirtschaftspolitischen) Anrufungen als unternehmerisch-kreatives Selbst? 

Es diskutierten:

  • Katja Kullmann, Journalistin und Autorin, u.a. von "Echtleben: Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben" (Eichborn Verlag, 2011)
  • Marita Waibel, Schriftstellerin
  • Dr. Hannes Krämer, Europa-Universität Viadrina, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Vergleichende Kultursoziologie
  • Moderation: Dr. Alexandra Manske, Soziologin

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Opfer, Komplizen oder Rebellen?

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