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Blog , : »Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss.«

Neue Buchrezension von Laura Kischkel | @buchlieberhaberin

Details

Susanne Siegert »Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss.«

Wer sich mit dem Begriff „Erinnerungskultur“ beschäftigt, weiß sicherlich, dass es bereits zahlreiche Bücher zu diesem Thema gibt. Das Sachbuch Gedenken neu denken reiht sich in die durchaus lesenswerten Werke zu diesem Thema ein.

Das liegt zunächst daran, dass Susanne Siegert eine Autorin mit spannender Expertise ist. Sie veröffentlicht Reels auf TikTok und Instagram, in denen sie Täterschaft im Nationalsozialismus thematisiert. Dafür wurde sie zuletzt sogar mit dem Margot-Friedländer-Preis ausgezeichnet.

Ihre wichtige Aufklärungsarbeit entstand aus dem Eigeninteresse, mehr über die Vergangenheit ihres Heimatortes Mühldorf zu erfahren.

Aus dieser Neugier heraus begann sie, Informationen auf unterschiedlichen Blogs zu teilen. Dabei eignete sich Siegert eine besondere Recherchekompetenz an, um Dateien aus diversen Online-Archiven entschlüsseln zu können.

In ihrem Buch gibt sie ihr Wissen nun weiter. Sie schreibt darüber, wie wichtig es für die Nachkommen einer Tätergesellschaft ist, mehr über die eigene Familiengeschichte zu erfahren.

Außerdem reflektiert sie was es bedeutet sich „zu erinnern, wenn man sich an etwas erinnern soll, das man selbst nicht erlebt hat. Zudem greift sie aktuelle Debatten auf, etwa den Wunsch der AfD nach einem Ende des Erinnerns und damit dem Beginn des Vergessens.

Mit großem Selbstverständnis zentriert die TikTokerin in ihrem Schreiben keineswegs die Täterschaft, sondern behält die Opfergruppen immer im Blick.

Vor allem da diese alles andere als passiv waren, wie sie oft dargestellt werden. Dabei räumt sie ebenfalls mit dem Gedanken auf, die Weiße Rose sei die einzige Form des Widerstands gewesen. Darüber hinaus zeigt sie, was es bedeutet Haltung zu zeigen, indem sie darstellt wie solidarisch Dänemark und Albanien Juden:Jüdinnen aufnahm.

Die eigene Familiengeschichte zu kennen und aus vergangenen Handlungen Lehren zu ziehen, sollte eine Pflicht sein. Dieses Buch ist wichtig und besonders, weil es Ideen zur Verbesserung der Erinnerungskultur enthält.

Was könnte, neben der eigenen Recherche zur Familiengeschichte, sowohl schulisch als auch gesellschaftlich oder politisch geschehen, um Verantwortung zu übernehmen? Siegert versucht Antworten auf diese Fragen zu finden.

Die Schreibweise ist sehr unterhaltsam. Siegert verwendet Hooks wie auf TikTok und arbeitet mit kurzen Kapiteln, um Interesse zu wecken und die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.

Teilweise ist Siegert sarkastisch, etwa wenn sie aktuelle Politik oder Instagram-Hashtags kritisiert. Dazu passt auch, dass sie nicht von oben herab oder mit erhobenem Zeigefinger schreibt. Gelegentlich kritisiert sie sogar ihr eigenes Verhalten.

Das Buch liest sich trotz der Schwere des Themas überraschend gut. Inhaltlich eignet es sich vor allem für jene, die mehr über die eigene familiäre Vergangenheit erfahren möchten und nicht wissen, wo sie mit der Recherche beginnen sollen.