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Blog , : Manon Garcia »Mit Männern leben. Überlegungen zum Pelicot-Prozess«

Neue Buchrezension von Laura Kischkel | @buchlieberhaberin

Details

Manon Garcia »Mit Männern leben. Überlegungen zum Pelicot-Prozess«

Manon Garcia ist eine brillante Philosophin, Feministin und wie sie mit Mit Männern leben erneut bewiesen hat, auch eine fantastische Autorin. Garcia nimmt als Beobachterin am Prozess zum Sexualverbrechen an Gisèle Pelicot in Avignon, Frankreich, teil.

Wer von diesem Prozess nichts mitbekam, sollte sich darauf einstellen, dass das Folgende belastend sein könnte. Ein Jahrzehnt lang wurde Gisèle Pelicot von ihrem Ehemann Dominique Pelicot regelmäßig betäubt und bewusstlos an Freier verkauft. Er und knapp 50 identifizierte Männer werden in diesem Prozess angeklagt.
In diesem Buch dokumentiert Garcia ihre Beobachtungen des Prozesses genau und beschreibt ihre Gedanken. Zur Einordnung verwendet sie Theorien von Hannah Arendt oder Michel Foucault, bewahrt sich aber auch Einblicke in ihre eigene Gefühlswelt und übt offene Selbstreflexion, da der Prozess gewissermaßen auch bei ihr Spuren hinterlässt.

Betrachtet werden außerdem die Reaktionen der Anwälte und Angeklagten, insbesondere deren Argumente, aber auch ihr Verhalten. Garcia zieht Zusammenhänge zwischen den Narrativen einer patriarchalen Gesellschaft und wie diese zur Rechtfertigung solcher Straftaten dienen. So wird etwa verhandelt, ob männliche Lust und die Verfügbarkeit der Frau eine Normalität seien.
Aber auch das Verhalten und die Wahrnehmung Gisèle Pelicots werden thematisiert. Sie ist inzwischen zu einer feministischen Ikone geworden und wird unter anderem durch ihre Haltung „Die Scham muss die Seiten wechseln“ idealisiert.

Schlussendlich stellt Garcia die im Titel anklingende Frage: Wie ist das Zusammenleben mit Männern möglich? Was braucht es also, um ein solches Zusammenleben zu ermöglichen?
Garcia hat ein lehrreiches Bestseller-Sachbuch geschrieben, das sich kapitelweise mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten beschäftigt. Da diese keiner zeitlichen Chronologie folgen und das Buch zudem eine Sammlung ihrer Gedanken darstellt, fehlt ein kohärenter roter Faden. Etwas, das wahrscheinlich nicht allen Lesenden gefallen dürfte, doch aufgrund der thematischen Dringlichkeit zu verkraften sein sollte.