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Blog , : Klima und Kapitalismus

Buchrezension von Laura Kischkel | @buchlieberhaberin

Details

Klima und Kapitalismus zeigt, wie und warum ökonomische Gesetze der kapitalistischen Gesellschaft den Klimawandel vorantreiben. Um sich diesen bekannten Problemen und Lösungsansätzen zu widmen, wird mit der für die Theorie.org-Reihe typischen theoretischen Grundlage begonnen: hier mit Marx und Engels. Ihre materialistische Geschichtsauffassung ist die Voraussetzung, um den durch die Industrialisierung und damit menschengemachten Klimawandel zu verstehen.

Zwar ist dieser Abschnitt eine verkürzte Einführung, ich finde sie trotzdem einsteiger*innenfreundlich, da die wichtigsten Begriffe einfach erläutert werden und Quellen zum Weiterlesen anregen können. Zuzüglich ist hier eine spannende ökologische Interpretation von Marx und Engels enthalten, in der eine notwendige Kritik an der Industrialisierung formuliert ist.

Dann wird mit dem fossilen Kapitalismus, also dem Kapitalismus, der auf der Nutzung von Erdöl, Kohle und Gas beruht, vertieft. Denn dieser Emissionshandel begrenzt den Klimawandel nicht, sondern ist ein Mittel, um einer alternativen Energiegewinnung auszuweichen. Auch in anderen Bereichen wie internationalen Klimakonferenzen und der Energiewende machen die Autor*innen deutlich, dass ein Entgegenwirken am Klimawandel systematisch abgehalten wird. Die Politik zeigt wenig Interesse an einer dringenden Veränderung.

Daran anknüpfend und etwas optimistischer ist die Auseinandersetzung mit verschiedenen Klimabewegungen, die vorgestellt und genauer betrachtet werden. Was dem Buch anzurechnen ist und an dieser Stelle deutlich wird, ist der Versuch, rote und grüne Perspektiven zusammenzuführen. Zuletzt folgen Diskussionen zum Green New Deal und der Degrowth-Debatte. In letzterem geht es darum, ob Gesellschaften ohne wirtschaftliches Wachstum überleben können, und die Annahme, dass Sozialismus nicht automatisch ökologisch ausgerichtet ist.

Ein Buch, das vielleicht kurz und manchmal oberflächlich ist, schlussendlich durch einen facettenreich Blick überzeugt. Genauso, wie die einfachen Formulierungen und die vielen Erklärungen. Lediglich bezüglich des ökologischen Sozialismus wären konkrete Strategien anstatt abstrakter Ansätze wünschenswert gewesen. Spannend als eine Einführung in die Kritik an der Klimapolitik oder um aktuelle Debatten zu ordnen.

Falls ihr in diesem Bereich jedoch bereits firm seid und euch tiefgründiger belesen möchtet, ist Klimawandel und Gesellschaftskritik eher etwas für euch. Im Mittelpunkt steht der Einwand der Kritischen Theorie, Gesellschaft als zentralen Faktor in der naturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Klimawandel mitzudenken. Aspekte wie eine scharfe Kritik an aktuellen Problemen innerhalb der Klimabewegungen werden ebenfalls aufgegriffen. Sehr lesenswert.

Angaben zum Buch:

Klima und Kapitalismus. Für einen ökologischen Sozialismus.

Katja Wagner, Maximilian Hauer und Maria Neuhauss (2025)

204 Seiten, Schmetterling Verlag