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23. Januar 2026: Diskussion/Vortrag : Der Allgemeine jüdische Arbeiterbund

Aktionswoche jüdisches Leben/ AStA Universität Greifswald

Wichtige Fakten

Veranstaltungsort

Universität Greifswald
Hörsaal 2 Neues Audimax
Ernst-Lohmeyer Platz 6
17489 Greifswald

Zeit
23.01.2026, 19:00 - 21:00 Uhr
Themenbereiche
Deutsche / Europäische Geschichte, Erinnerungspolitik / Antifaschismus, Soziale Bewegungen / Organisierung
Zugeordnete Dateien

Beschreibung

Jüdischkeit und Klassenbewusstsein: Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund „Bund“ im östlichen Europa
„Neo-Bundismus“ ist derzeit ein Schlüsselbegriff für junge, linke Jüdinnen und Juden weltweit, die Ethno-Nationalismus ablehnen und bei ihrer Suche nach neuen Konzepten für eine jüdische Diaspora-Identität den 1897 in Wilna gegründeten „Bund“ wiederentdeckt haben. Mit seiner dezidiert antizionistischen, säkularen und marxistischen Programmatik, der Förderung der jiddischen Sprache und Kultur und einem Netzwerk von Gewerkschafts-, Jugend- und Arbeiterbildungsorganisationen war der „Bund“ tief in der Lebenswelt der osteuropäischen Jüdinnen und Juden verankert. Bundist*innen agierten nach 1897 zunächst im Russländischen Reich und war auch an der Gründung der Russländischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei 1898 beteiligt. Nach der Oktoberrevolution und der Machtübernahme durch die Bolschewiki verlegte der „Bund“ seinen Schwerpunkt nach Polen und wurde dort in den späten 1930er Jahren zur stärksten jüdischen Partei. Die vom „Bund“ dominierten jüdischen Gewerkschaften waren die mitgliederstärkste jüdische Massenorganisation in der polnischen Republik.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 wurden die meisten Mitglieder und Anhänger*innen des „Bund“ in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern ermordet. Die wenigen Überlebenden und die Bundist*innen, die Polen vor Kriegsausbruch verlassen hatten, bildeten nach 1945 an verschiedenen Orten der Welt, so vor allem in den USA, in Canada, Australien und Israel, kleine „Bund“-Gruppen, die sich transnational vernetzten. Als jüdische Massenorganisation ging der „Bund“ im Holocaust unter. Doch lohnt der Blick zurück. Die Wir-Identität des „Bund“ zeichnet sich insgesamt durch eine ungewöhnli­che Offenheit aus: Ausge­hend von den jüdischen „arbets­menshn“ war sie eng verbunden mit dem Land, in dem diese zusammen mit der nichtjüdischen Bevölke­rung lebten, und mit der Welt, wie sie sich in der Arbeiter-Internationale manifestierte. Das Konzept der „national-kulturellen Autonomie“ kann zudem als Vorläufer des modernen Multikulturalismus angesehen werden. Damit liefert die Geschichte des „Bund“ wichtige Impulse für die Gegenwart.
Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Gertrud Pickhan

Standort

Kontakt

Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern

Telefon: (0)381 4900450

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